Der Standort Kulemannstieg für den geplanten Recyclinghof in Gewerbegebiet von Schnelsen ist seit Jahren bei Bürgern und Bezirkspolitik umstritten. Hauptgrund: Der Kulemannstieg, in dem viele Unternehmen angesiedelt sind, ist eine Sackgasse und die gesamte Verkehrssituation rund um die Bereiche Flagentwiet/Holsteiner Chaussee/Pinneberger Straße ist schon jetzt sehr angespannt.

Dennoch halten der rot-grüne Senat und die Stadtreinigung Hamburg am Standort Kulemannstieg fest. Das hat meine aktuelle Schriftliche Kleine Anfrage „Recyclinghof Kulemannstieg in Schnelsen: Wie lautet der aktuelle Planungs- und Umsetzungsstand inklusive Verkehrskonzept und prüft der Senat aktuell alternative Standorte?“ ergeben.

Der Senat geht davon aus, dass alle „erforderlichen Genehmigungen“ im 1. Quartal 2026 vorliegen werden, „der konkrete Baubeginn ist abhängig vom Datum der Erteilung der Genehmigung“. Laut Senat „ist die Prüfung einer Alternative nicht vorgesehen“. Und dass, obwohl eine aktuell zum Verkauf stehende Gewerbefläche im direkten Umfeld vom Kulemannstieg von einer lokalen Interessengemeinschaft als alternativer Standort in die Debatte eingebracht wurde. Vorteil dieser Fläche sei laut der Interessengemeinschaft, dass sie über zwei Zugänge verfüge, so dass die verkehrliche Anbindung entzerrt werden könne.
Neben dem Recyclinghof sind noch viele weitere große Bauvorhaben in Schnelsen geplant oder schon umgesetzt, wie die DHL-Sortieranlage Flagentwiet. Hinzu kommen diverse Wohnungsbaupläne und der künftige Schulstandort Campus Schnelsen. Für diese dringend benötigte weiterführende Schule im Stadtteil gab es am 11. Dezember auch von der Bezirksversammlung Eimsbüttel grünes Licht. Die Schule für bis zu 1500 Schüler wird entlang der Holsteiner Chaussee, einer viel befahrenen Bundesstraße/Magistrale, gebaut und liegt im direkten Umfeld des Gewerbegebietes.
Auch deshalb gibt es seit vielen Jahren von Anwohnern, Gewerbetreibenden und der Eimsbütteler Bezirkspolitik Forderungen nach einem Gesamtverkehrskonzept für Schnelsen. Ziel: alle großen Bauvorhaben und die damit erhöhten Verkehrsströme sollen gebündelt untersucht werden, um im Anschluss ein entsprechendes Mobilitätskonzept erarbeiten zu können. Das wurde von den rot-grünen Senaten immer wieder abgelehnt.

Im Zusammenhang mit den Schulneubau wurde nun am 2. Juni im öffentlichen Regionalausschuss Lokstedt, Niendorf, Schnelsen die „Verkehrstechnische Untersuchung mit Mobilitätskonzept Schulcampus Schnelsen“ vorgestellt. In dieser werden neben der Campus-Schule Schnelsen, der Recyclinghof, DHL sowie diverse Bebauungspläne entlang der Magistrale Holsteiner Chaussee berücksichtigt, teilt der Senat auf meine Anfrage mit. Damit gibt es nun quasi eine „Lightversion“ des geforderten Gesamtverkehrskonzepts für Schnelsen.

Die Untersuchung bewertet u.a. den Knotenpunkt Holsteiner Chaussee/Flagentwiet. Dieser wird aktuell vom täglichen Durchgangsverkehr, vom Gewerbeverkehr und DHL-Verkehr intensiv befahren. Künftig kommen noch die Recyclinghof-Kunden und 1500 Schülerinnen und Schülern dazu. Die Verkehrsexperten bewerten diesen Knotenpunkt zu gewissen Tageszeiten bereits jetzt schon als „überlastet“.

Abhilfe könnte laut dem Gutachten eine Ampelanlage schaffen. Die Ampel wurde bereits vor der Untersuchung von der Bezirkspolitik immer wieder gefordert. Diese Ampelanlage und weitere Verbesserungsvorschläge wie gemeinsame Rad- und Gehwege an allen „Knotenpunktarmen“, eine Ampelanlage für den Verkehrsknoten Holsteiner Chaussee/Burgwedelkamp, eine streckenbezogene Anordnung von Tempo 30 auf Höhe der Schule und weitere Maßnahmen zur Verbesserung der Mobilität und Verkehrssicherheit will der Senat laut meiner Anfrage „grundsätzlich“ umsetzen.

Allerdings: „Genaue Art und Umfang der einzelnen Maßnahmen stehen (…) noch nicht fest.“ Auch Fragen nach konkreten Zeitpunkten für die Umsetzungen lässt der Senat unbeantwortet. Und eine Tempo-30-Anordnung im Bereich der Schule könne laut Senat erst geprüft werden, wenn der Schulbetrieb läuft und „prüfungsfähige Unterlagen“ vorliegen. Die Fertigstellung der Schule ist derzeit für 2028 geplant.

Auch wenn der rot-grüne Senat und die zuständigen Fachbehörden den jahrelangen Forderungen aus der Bezirkspolitik nach einer „gesamtheitlichen Betrachtung der Verkehrssituation“ in Schnelsen mit der „Verkehrstechnischen Untersuchung mit Mobilitätskonzept Schulcampus Schnelsen“ in Teilen nachgekommen sind, bleiben viele Fragen offen. Das gilt auch für die zeitliche Umsetzung der empfohlenen Maßnahmen der Verkehrsexperten. Ich bleibe an dem Thema dran.