Ob Reisepass, Ummelden oder Beglaubigungen – für all diese Dienstleistungen müssen die Menschen aus dem Bezirk Eimsbüttel seit April weit fahren. Der rot-grüne Senat hat das Kundenzentrum Hamburg-Eimsbüttel in den Grindel-Hochhäusern geschlossen und mit dem früheren Standort Hamburg-Nord am neuen Großstandort Eppendorf-Lokstedt, Christoph-Probst-Weg 4, und damit direkt an der Bezirksgrenze zu Hamburg-Nord zusammengelegt.
Zentralisierung statt Bürgernähe
Das sorgte nicht nur bei Bürgen, sondern auch bei den Eimsbütteler Bezirksabgeordneten als auch bei den Bezirksabgeordneten aus Hamburg-Nord für große Kritik. Die Fraktionen aus beiden Bezirken kritisierten die Schwächung der bürgernahen Versorgung beziehungsweise die Wegnahme des gut zu erreichenden Standorts im Eimsbütteler Kerngebiet. Hinzu kam der Umstand, dass die zuständige Finanzbehörde die Bezirkspolitik nicht in diese Entscheidung eingebunden hatte.
Bis heute wird der Großstandort Eppendorf-Lokstedt aber offenbar nicht so angenommen, wie von Rot-Grün erhofft. Das zeigen die Senatsantworten auf meine Schriftliche Kleine Anfrage „Hamburg Service: Wie läuft es am neuen Großstandort Eppendorf-Lokstedt und welche Pläne gibt es für den Bezirk Eimsbüttel?“. Statt der erhofften 1.000 Kunden pro Tag, kommen im Durchschnitt etwa 330 Kunden. Für Rot-Grün offenbar kein Problem. In meiner zweiten Schriftliche Kleine Anfragen „Hamburg Service: Wie läuft es am neuen Großstandort Eppendorf-Lokstedt und welche Pläne gibt es für den Bezirk Eimsbüttel? (II)“ gibt sich der Senat gelassen, der Standort befinde sich noch in der Anlaufphase. Ob das auch an der Fehlzeitenquote von 10 Prozent und an der Tatsache liegt, dass von den 44 Stellen nur 35,34 Stellen am Standort Christoph-Probst-Weg besetzt sind, ordnet der Senat nicht weiter ein.
Kritikpunkte der Bürgerinnen und Bürger
Die Parkplatzsituation, die ÖPNV-Anbindung sowie bürokratischen Hürden – so können nur noch digitale Passbilder eingereicht werden – werden von Kunden immer wieder kritisiert. Diesbezüglich sei eine „bessere Ausschilderung der Parkplätze des Hamburg Service beabsichtigt“, erklärt der Senat auf meine Anfrage. Auf die schlechte ÖPNV-Anbindung geht der Senat weder in meiner ersten noch in meiner zweiten Anfrage konkret ein.
Alternative: Hamburg Service Niendorf
Für viele Menschen hat sich deshalb das Kundenzentrum Lokstedt – das jetzt Hamburg Service Niendorf heißt – und im Garstedter Weg 11, unweit des Tibarg Centers in Niendorf liegt, zu einer gut genutzten Alternative entwickelt. Das zeigt auch die erhöhte Kundenfrequenz laut meiner ersten Anfrage. Der Standort Niendorf ist mit der U-Bahnstation Niendorf Markt und dem Busbahnhof Niendorf Markt hervorragend angebunden. Noch bis Ende 2023 sollte dieser Standort sogar durch einen Neubau modernisiert werden. Diese Neubaupläne stoppte Rot-Grün. auf Grund von zu hohen Zins- und Baukosten
Bezirkspolitik fordert Standort-Erhaltung
Obwohl die damalige Eimsbütteler Bezirksversammlung im Dezember 2023 fraktionsübergreifend sich für den Erhalt des Kundenzentrums am Tibarg einsetzte, ist bis heute völlig unklar, ob Rot-Grün den Mietvertrag für diesen Standort, der nur noch bis 2029 gilt, verlängert. Auf meine konkreten Fragen, ob der Senat den Mietvertrag verlängern wird, oder einen alternativen Standort sucht oder sogar vor 2029 den Mietvertrag kündigen will, antwortet der Senat gar nicht bzw. weicht konkreten Antworten aus. „Etwaige Überlegungen und Planungen nicht abgeschlossen“, so der Senat.
Standortsicherung? Völlig unklar
Auch in meiner zweiten Anfrage Kleine Anfragen „Hamburg Service: Wie läuft es am neuen Großstandort Eppendorf-Lokstedt und welche Pläne gibt es für den Bezirk Eimsbüttel? (II)“ bleibt Rot-Grün vage. Auch nach mehrjähriger Überlegungs- und Planungsphase hätte sich die „zuständigen Behörden (…) noch nicht entschieden“. Was nach 2029 passiert oder ob der Standort Niendorf sogar noch vor Ablauf des aktuell gültigen Mietvertrages geschlossen wird – bleibt trotz mehrfacher Nachfrage von mir völlig unklar. Allerdings: „Wesentliche Rahmenbedingungen werden im Zuge der Haushaltsberatungen zum Doppelhaushalt 2027/2028 konkretisiert“, so der Senat. Für mich klingt das mit Blick auf bislang bekannte Einsparmaßnahmen für den Standort Niendorf nicht wirklich positiv. Ich halte Sie auf dem Laufenden.



