Auf Grund wachsender Schülerzahlen, den erhöhten Bedarf an Schulneubauten bzw. Erweiterungen sowie Sanierungen wurde für eine langfristige Planungssicherheit im Jahr 2019 der Schulentwicklungsplan (SEPL 2019) aufgelegt. Denn Geburtenboom und ein massiver Zuzug in den vergangenen Jahren haben zur Folge, dass die bestehenden Schulkapazitäten zukünftig nicht mehr ausreichen. Der SEPL 2019 sieht für die Schulregion 10 (Lokstedt und Niendorf) u.a. auch die Neugründung einer weiterführenden Campus-Stadtteilschule im Stadtteil Lokstedt vor.
Im September 2024 teilte die Schulbehörde offiziell mit, dass die Stadt für diese geplante Neugründung in sehr verkehrsgünstiger Lage unter anderem Grundstücksflächen des Norddeutschen Rundfunks (NDR) am Sitz in Lokstedt erworben hat. Auf einer Fläche von rund 2,6 Hektar an der Julius-Vosseler Straße sollen zukünftig bis zu 1500 Schülerinnen und Schüler die Campus-Stadtteilschule mit gymnasialem Zweig besuchen können, auch um Stadtteilschulen und Gymnasien in der näheren und weiteren Region zu entlasten.
So weit, so gut. Während an anderen Standorten in Hamburg der Bau von neu geplanten Schulstandorten derzeit erfolgt, zeitnah starten soll oder bereits beendet ist, scheinen die Planungen und Umsetzungen für den Schulcampus Lokstedt nicht voranzukommen.
Grund genug, den rot-grünen Senat mit meiner aktuellen Schriftlichen Kleinen Anfrage „Campusschule Lokstedt: Wie lautet der aktuelle Planungs- und Umsetzungsstand?“ sieben Jahre nach Veröffentlichung der SEPL-Pläne nach den aktuell gültigen Planungen zu fragen.
Aus 2029 und 2032 wird zeitlich unklar
Zum Thema Baustart bzw. Fertigstellung des Neubaus Campusschule Lokstedt teilte der Senat auf meine Anfrage mit, dass „ein Gründungsdatum der neuen Schule beziehungsweise ein konkreter Zeitplan zur baulichen Realisierung der Schule zurzeit noch nicht festgelegt werden“ könne. Zudem sei „eine kurzfristige Neugründung einer weiteren Campus Stadtteilschule im Bezirk Eimsbüttel noch nicht geboten“ so der rot-grüne Senat auf meine konkreten Fragen. Diese sehr unkonkreten Antworten muten kurios an, denn noch im März 2022 sollte laut dem damaligen rot-grünen Senat die Baufertigstellung des 1. Bauabschnitts der Campusschule Lokstedt 2029 und der 2. Bauabschnitt 2032 erfolgen.
Erste Gutachten liegen bereits vor
Auch wenn der Baustart derzeit völlig offen ist, sind bereits erste Gutachten – die schon im November 2024 im Bebauungsplanentwurf Lokstedt 70 „Hugh-Greene-Weg Campusschule Lokstedt“ aufgelistet wurden – erfolgt. Zu den bereits vorliegenden Gutachten gehören laut Senat die Verkehrstechnische Untersuchung, Baumuntersuchung, Artenschutzgutachten, Kampfmitteluntersuchung sowie Boden- und Baugrunduntersuchung.
Ohne konkreten Bautermine erscheint es aber fraglich, wie lange diese vorliegenden Gutachten Bestand haben bzw. noch die aktuellen Gegebenheiten vor Ort widerspiegeln, wenn beispielweise erst in zehn Jahren der Neubau startet. Die verkehrlichen Belange werden sich in den kommenden Jahren mit großer Sicherheit ändern, so dass eine neue Verkehrstechnische Untersuchung geboten sein könnte.
Weitere Gutachten wie die lärmtechnische Untersuchung, eine Verschattungsstudie sowie ein Erschütterungsgutachten, die ebenfalls im Bebauungsplanentwurf Lokstedt 70 aufgelistet sind, stehen noch aus.
Öffentliche Vorstellung der Planungen, aber…
Zumindest hat der rot-grüne Senat nach mehreren Monaten auf die Forderungen der Eimsbütteler Bezirkspolitik reagiert. So hatte die Bezirksversammlung Eimsbüttel zuletzt im Februar 2026 fraktionsübergreifend die zuständige Schulbehörde und Schulbau Hamburg aufgefordert, sowohl über den Ausbau des Gymnasiums Corveystraße als auch über die Planungen für den Schulneubau Campusschule Lokstedt zu berichten und zwar öffentlich im Regionalausschuss Lokstedt, Niendorf, Schnelsen (RaLoNiS).
Dazu sollten die zuständigen Behörden auch „lokale Akteure wie Vereine, insbesondere den anliegende Kleingartenverein Hammonia, den NDR, Anwohner (…), Einrichtungen und Initiativen im Umfeld der Campus-Schule und des Corvey-Gymnasium frühzeitig über die Planungen“ informieren und angemessen beteiligen, so die Bezirkspolitiker in ihrem Antrag.
Auf meine konkrete Nachfrage teilte der Senat im Juli 2026 nun mit, dass eine Entsendung von Behördenvertretern der Eimsbütteler Bezirksversammlung zugesagt worden sei und zwar nach den Sommerferien. Aber: „Eine darüber hinausgehende Information und Beteiligung von weiteren Akteuren ist erst nach Abschluss der Phase der Voruntersuchungen und Festlegung eines konkreten Projektzeitplans zweckmäßig“ – so viel zum Thema frühzeitige und angemessenen Beteilung der betroffenen Akteure vor Ort.
Wie der offene Baustart bzw. Fertigstellung des neuen Schulstandorts ist auch die Frage nach den Kosten für den Neubau der weiterführenden Schule im Stadtteil Lokstedt unklar. Ich halte Sie auf dem Laufenden.
Beitragsbild:
Geltungsbereich Bebauungsplan-Entwurf Lokstedt 70 „Hugh-Greene-Weg“
© Darstellung Bezirksamt Eimsbüttel auf Kartengrundlage ATKIS, Stand August 2025, Herausgeber: Freie und Hansestadt Hamburg, Landesbetrieb Geoinformation und Vermessung.
Quelle: https://www.hamburg.de/politik-und-verwaltung/bezirke/bezirksamt-eimsbuettel/lokstedt-70-1097112
